Sterilisation per Bauchschnitt

 

Sterilisation der Frau per Bauchschnitt

Die Sterilisation der Frau mittels Bauchschnitt (Sterilisation durch Laparotomie bzw. Minilaparotomie) ist eine in seltenen Ausnahmefällen angewendete Methode zur Sterilisation der Frau1. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Sterilisation per Bauchspiegelung nicht erfolgreich durchgeführt werden konnte. Dies kann vorkommen bei starkem Übergewicht der Patientin oder starken Verwachsungen im Bauchraum. Die Sterilisation durch Bauschnitt bietet sich zudem an, wenn ohnehin eine andere Operation am Unterbauch ansteht (zum Beispiel Kaiserschnitt/Sectio ). Die Entscheidung für die Sterilisation sollte dabei aber schon lange Zeit vor dem OP-Termin getroffen und mit dem operierenden Arzt eingehend besprochen und dokumentiert werden. Die Sterilisation der Frau mittels Bauchschnitt wird stationär von einem Arzt in einem Krankenhaus unter Vollnarkose oder Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt. Diese Laparotomie oder Minilaparotomie erfordert einen Krankenhaus-Aufenthalt von 3–4 Tagen.


Vorteile der Sterilisation mittels Bauchschnitt

Der Vorteil der Sterilisation mittels Bauchschnitt (Laparotomie) gegenüber anderen chirurgischen Sterilisationverfahren liegt zum einen darin, dass das gesundheitliche Risiko reduziert wird, weil zu einer ohnehin geplanten Operation nicht noch ein separater Eingriff mit erneuter Narkose durchgeführt werden muss. Zum anderen trägt häufig die Krankenkasse die Kosten der Sterilisation in Verbindung mit einer Laparotomie beziehungsweise Mini-Laparotomie. Die Kostenübernahme der Sterilisation während einer anstehenden Bauchoperation sollte jedoch unbedingt vorher mit der Krankenkasse und der durchführenden Klinik besprochen werden.


Risiken der Sterilisation mittels Bauchschnitt

Wird ohnehin eine Bauchoperation (Laparotomie/Minilaparotomie) durchgeführt, dann stehen die meisten Risiken vorrangig im Zusammenhang mit der Bauch-Operation (Betäubungsrisiko, Infektionsrisiko etc.) und nicht mit der Sterilisation an sich. Es besteht die Gefahr, dass während der Sterilisation die Gebärmutter, die Blase, der Magen, der Darm oder größere Gefäße durch Operationsinstrumente, elektrischen Strom, Laser oder Hitze verletzt werden. Die Möglichkeit von ernsthaften Komplikationen durch eine Eileiterschwangerschaft bei einer Schwangerschaft trotz Steriliation der Frau ist ebenfalls zu berücksichtigen. Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Endoskopie (AGE) weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass das Auftreten einer Eileiterschwangerschaft im Falle einer Schwangerschaft trotz Sterilisation mit einer Häufigkeit von circa 50 % angenommen werden sollte2. Die Sterilisation durch Bauchschnitt kann nicht oder nur schwierig rückgängig gemacht werden. Dementsprechend sollte man vor der Sterilisation Überlegungen anstellen, ob eine reversible Verhütungsmethode ohne Hormone nicht doch eine Verhütungsalternative  mit weniger Risiko sein könnte. Mit der GyneFix® Kupferkette ist inzwischen auch eine hormonfreie Alternative zur Sterilisation erhältlich.


Die Sterilisation durch Bauschnitt in wenigen Schritten

Die Sterilisation mittels Bauchschnitt (Laparotomie) erfolgt in wenigen Schritten: Der Bauchraum wird durch einen Hautschnitt geöffnet. Aus kosmetischen Gründen wird dieser Hautschnitt meist in der Bikinizone knapp oberhalb vom Schamansatz vorgenommen, weshalb er auch als Bikinischnitt bezeichnet wird. Häufig werden nach einer Tubensterilisation durch Bauschnitt vor dem Verschluss des Bauchraumes noch für einige Tage Drainagen zur Ableitung von Wundsekret, Blut und Spülflüssigkeit gelegt.


Der Verschluss der Eileiter

Die eigentliche Tubensterilisation beziehungsweise Tubenligatur erfolgt nach dem Bauchschnitt entweder durch Verklebung der Eileiter mittels Hitze (Hitzekoagulation), Laser (Laserkoagulation) oder elektrischem Strom (Elektrokoagulation). Oder durch den Verschluss der Eileiter mit Clips oder Silikon-Gummibändern (Falope-Ring), wobei sich die Clip-Methode (Hulka-Clemens Clip, Filshi-Clip mit Titan) als die Sterilisationsmethode mit der geringsten Sicherheit herausgestellt hat. Eine weitere Methode zur Sterilisation durch Bauchschnitt ist die Durchtrennung und/oder die Teilentfernung der Eileiter. Die Enden werden dann per Hitze, Laser oder elektrischem Strom verschlossen. Manchmal werden die Eileiter bei der Sterilisation auch vollständig entfernt. Aufgrund der unterschiedlichen möglichen Methoden zur Sterilisation sollte mit dem Arzt vor der Sterilisation per Bauschnitt  über die Vorteile und Nachteile der einzelnen Sterilisationsverfahren gesprochen werden.

 


1 pro familia Broschüre „Sterilisation“ S. 13, 15. Auflage 2013
2 Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie (AGE) zu Fachartikel von K. Kolmorgen, R. Lueken, A. Pfeiffer: Schwangerschaften nach laparoskopischer bipolarer Tubensterilisation erschienen im FRAUENARZT Nr. 6/2002